Gina – Tag 15

Mache ich eigentlich noch was anderes, als mich um die Katze kümmern?

Nö.

Oder: Ein kleines bisschen, es folgt ein eigener Beitrag dazu.

Zwei Wochen hat sie jetzt rum, fast auf die Stunde genau. Noch zwei Zahlen dazu: 650g und 1184g. So hat sich ihr Gewicht verändert. Nach wie vor bevorzugt sie flüssige Nahrung, aber vereinzelte Bröckchen rutschen auch. Die Zähne dazu hat sie auf jeden Fall:

Da ist ein makelloser Reißzahn zu sehen!

Gina ist außerdem viel lebhafter geworden, nicht nur im Vergleich zum elenden ersten Tag, auch zu, sagen wir mal, vor zehn Tagen. Sie rennt (zu Lenny Entsetzen, er kommt gar nicht so schnell hinterher, manchmal kann er sogar nicht mal so schnell gucken!), turnt außen an ihrer Kratztonne hoch, wenn sie zu ihrem Futternapf will, der oben drauf steht, statt den bequemeren Weg über das Sofa zu nehmen, sie putzt sich zunehmend ausgiebig und hat auch schon angefangen mich abzulecken. Ihre Lernkurve puncto Tablettenverweigerung ist steil (aber ich bin raffinierter und habe das ganze Internet zur Hilfe, sie muss sie also doch schlucken), unter den Schränken und in den Ecken liegt kein Staub mehr, den fegt sie auf ihren Streifzügen einfach weg, und sie erkämpft sich den Zugang zu anderen Räumen des Hauses, die schließlich auch inspiziert werden wollen. Treppe runter geht schon gut, Treppe rauf ist anstrengender.

Jeden Tag machen wir einen kleinen Spaziergang mit Leine. Das Ziel ist, dass sie in unbekanntem Terrain auch ohne Transportbox unter Kontrolle ist. Bei einer Katze, die nicht zum Tierarzt will, besteht eine weit geringere Chance, dass sie – einmal entwischt – auf Zuruf zurückkommt, als bei einem Hund. Auch da ist es nicht ganz einfach, wie man regelmäßig beobachten kann, aber in einigen dutzend Metern Entfernung von der Tür klappt es dann ja doch… Die Leine findet sie nicht so toll, andererseits gehen wir dann immer in den Garten, und DAS findet sie toll.

Mein Mann hat Gina ins hohe Gras gesetzt, Lenny gleich hinterher, obwohl er dieses unwegsame Gelände sonst meidet

Gina bevorzugt den Uhrzeigersinn. Also erstmal unter den beiden Apfelbäumen und dem Gebüsch lang, am liebsten rein ins Gebüsch!!! Das ist mir derzeit nicht so lieb, weil dahinter ein löchriger Zaun liegt (deswegen auch die Leine) und sich zu verstecken zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehört. Auf ihren Namen hören gehört nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Mein Mann hat sie, um die Gebüsch-Diskussion zu beenden, dann ins hohe Gras gesetzt.

Aber auch hohes Gras ist spannend!

Von da aus ging es zur Efeuwand. Geheimnissvolle Blätter, und dann Sichtschutz im Rücken kann man selbst wunderbar beobachten…

Von da aus ging es weiter unterm Fliederbusch durch in einen anderen Flecken hohes Gras. Am „Ende“ des Grases wurden dann die Beutegreifer-Instinkte sichtbar: Sie verharrte dort eine Weile und sichtete die Umgebung:

Lenny war nie weit weg:

So richtig spannend wurde es dann am Gemüsebeet, wo sich ein Kohlweißling an einem blühenden Kraut labte. Ich vermute, das Leben könnte für Schmetterlinge spätestens im nächsten Sommer gefährlicher werden!

Auch Vögel weckten Ginas Interesse – sie verbringt ja auch drinnen schon viel Zeit im Katzenkino (Terrassentür mit Blick auf Vogelfütterung).

Besonders gern sitzt sie an schlecht einsehbaren Stellen, wo sie selbst gut sehen kann.

Uns beide interessierte eine gelbe Blüte, die sich plötzlich zum Boden neigte. „Schuld“ war eine dicke Hummel, fast zu schwer dafür, dick eingepudert mit Blütenstaub:

Leider hatte ich nicht das Makro sondern das Vielzweck-Zoom aufgelegt. Dafür ist das Photo gar nicht schlecht…

Freiwillig hat Gina den Garten nicht verlassen. Ich hab sie also rein getragen (an der Leine reinzuführen ist aussichtlos. Oder übersteigt meine Geduld um mehrere Größenordnungen). Einmal drinnen war dann natürlich sofort wieder futtern und schlafen angesagt…

Gina – Tag 13

Gina ist jetzt bald 10 Wochen alt. Dank ihres erwachten Appetites und dem Power-Milch-Shake hat sie gestern Abend die 1000-g-Marke geknackt! Ihr Gewicht schwankt natürlich stark, je nach Füllungszustand des Verdauungstraktes. Bisweilen trägt sie einen niedliche Kugelbauch durch die Gegend, der dann nach ein paar Stunden wieder in der Toilette landet. Es ist also nicht der aufgeblähte Bauch, den manche Endo-Parasiten verursachen. Außerdem hat sie heute Morgen mal richtig gekaut! Wenn ich ihr bisher festes oder auch nur festeres Futter gegeben habe, dann hat sie daran geleckt, es aber letztlich liegen gelassen. Heute gab es Bröckchen eines Edelfutters, das richtige Fleischstücke enthält, und nicht diese künstlich geformten Stücke, die vermutlich ähnlich hergestellt werden wie Wurst (fein zerkleinertes Fleisch, geformt und dann gegart). Davon hat sie etwa einen schwach gehäuften Esslöffel gefressen, ein Restchen liegen gelassen. Da hab ich mich erbarmt und ihren Smoothie aufgefüllt, worauf sie nochmal tüchtig reingehauen hat! Seit ich geeignete Gefäße zum Pürieren gefunden habe, ist ihre Futterzubereitung ein Klacks, aber ich vermute, dass es für ihre Zähne besser wäre, wenn sie feste Nahrung kaut. Überall kann man lesen, wie mäkelig Katzen beim Futter sein können. Es wäre schön, wenn Gina sich nicht in diese Richtung entwickelt…

Schon am zweiten Tag, als Gina ihre ganz matte Phase überwunden hatte, fing sie an zu springen. Vorzugsweise von der Käfigtür auf mein Knie, und überwand so mit Leichtigkeit ihre eigene Kopf-Rumpf-Länge. Eine größere Herausforderung ist Höhe. Da ist ihre Sprundkraft noch nicht so weit. Aber: Katzen haben da ja ein wundervolles Hilfsmittel – ihre Krallen! Die 40-60cm Sitzflächen- und Rückenlehnen-Distanz schafft sich locker unter Zuhilfenahme ihrer Krallen! AM LEDERSOFA!!! Da ich keine Ahnung habe, wie man ihr klar machen kann, dass sie drauf springen, aber nicht drauf klettern darf, habe ich nach einer anderen Lösung gesucht. Unser aller Lieblingssofa hat jetzt einen Überwurf aus einem alten Vorhang aus Chenille-Garn, das wunderbar Halt für die kleinen Krallen bietet. Wenn der hin ist, habe ich noch zwei davon. Wenn die hin sind, kann sie hoffentlich gut genug springen, dass sie sie nicht mehr braucht.

Zu Ginas Lieblingsbeschäftigungen gehört ganz eindeutig das Katzenkino. Das ist eine große Terassentür, vor der mein Mann seit Jahren die Vögel im Garten füttert. Es gibt drei Futterstellen: Auf dem Boden, ein Futterhäuschen ca. 1m hoch und, in drei Meter Entfernung, einen Rosenbogen mit Meisenknödel-Halter. Da ist immer schwer was los, und Gina kann sich daran kaum satt sehen. Sie sitzt dann auf dem Boden oder der Rückenlehne unseres Lieblingssofas und schaut gebannt hinaus. Wenn sie ganz großes Glück hat, kommt sogar eine ausgesprochen wohlgenährte Maus vorbei! Die Vögel sind teilweise ein bisschen reserviert, sie können je nach Lichteinfall die Katze durch die Scheibe wohl erkennen. Neben dem großen Katzenkino mag sie übrigens auch Katzenfernsehen (Bildschirm von Tablet oder Laptop), und zwar sowohl die Mäuse-Fang-App, als auch alles andere, was sich bewegt, oder auch einfach so, wenn sie auf dem Tablett herumlaufen kann – der Touchscreen reagiert nämlich auf Katzenpfoten. Berührt sie ein Icon, passiert was! Der Nachteil ist, dass ich die Bildschirme regelmäßig reinigen muss, denn Gina hat immer noch Schnupfen und niest alle Nase lang…

Die Annäherung zwischen Lenny und Gina verläuft sehr schleppend und ist derzeit wohl eher von Misstrauen geprägt. Gina geht ihm aus dem Weg, seitdem er beim fressen nach ihr geschnappt hat, und auch sonst blafft er sie gern mal an, wenn sie an ihm vorbei geht. Andererseit verzieht er sich vom Sofa, wenn sie auch hinauf kommt. Seltsam. Heute Vormittag gab es aber eine distanziert-entspannte Szene: Gina auf dem einen Sofa mit mir, Lenny auf dem anderen mit meinem Mann, beide lang ausgestreckt, mit gutem Zugang zu Bauch und Brust und hingebungsvoll streicheln lassen! Bis ich dann die Kamera von oben geholt hatte, war Gina dazu übergegangen sich zu putzen (sie tut das noch selten, ich möchte sie nicht unterbrechen, wenn sie es dann mal macht). Lenny allerdings hat kein Limit bei Streicheleinheiten:

Während sie sonst gern mal Richtung Kamera läuft und dabei die Naheinstellgrenze deutlich unterschreitet, hat sie hier gut stillgehalten:

Im Schatten des Sofas musste ich die Blende so weit wie möglich aufreißen, weshalb ich nur eine sehr geringen Schärfentiefe habe – die Pfote ist scharf, die Zunge, nur einen Zentimeter weiter hinten, nicht mehr…

Gina – Tag 11

Das Thema des Tages lautet wohl „Lenny“. Nach der Morgenfütterung auf ihrer Kratztonne erfolgte der Abstieg wie gewohnt zunächst auf die Rücklehne des Sofas, von da aber nicht weiter auf meinen Körper, der so einladend darunter lag, sondern auf den von Lenny, der auf seinem Stammplatz zu meinen Füßen ruhte. Der Hund hat sich nicht gerade erschreckt, war aber irritiert. Gina ließ sich schnurrend an seiner Seite nieder!

Das war ihm offensichtlich unheimlich…

Und nach wenigen Augenblicken sprang er über die Armlehne herunter. Aber: Es wird! Kuscheln ist vielleicht auch eine einfachere Annäherung als Spielen. Nach wie vor folgt Lenny der Katze, manchmal spazieren sie gemächlich hintereinander her, machmal geht die wilde Jagd durch Wohnzimmer UND Küche, gern mit Endpunkt Schreibtisch, wo der Hund nicht drunter kann. Ebenfalls heute Morgen wollte Gina mit Lennys Füßen spielen (versucht sie mit meinen auch).

Den eigentlichen Augenblick hab ich natürlich mal wieder nicht erwischt…

Schnuppern..

Gina hat noch tüchtig Rotznase. Das Gesicht reinigen mag sie nicht, sanft über die Augen streichen geht noch, aber die verklebte Nase sauber machen… dabei hat sie es wirklich nötig! Derzeit höre ich auch immer wo sie ist, weil sie so geräuschvoll atmet. Zumindest wenn sie wach ist.

Das Tablettenproblem hat sich schnell als Drama herausgestellt. Was natürlich niemanden überrascht. Überraschend ist aber die Lösung: Gina frisst die mit weichem Futter verpackte Tabletten mit dem Nassfutter einfach mit. Ich sorg dafür, dass nicht viel im Napf ist, dann kann ich kontrollieren, ob sie die Tablette auch wirklich mitgefressen hat (die hat auch schonmal neben dem Napf gelegen), wenn sie ihn geleert hat. An der Stelle möchte ich erwähnen, dass Gina sehr manierlich frisst. Ich hab auch schon von Katzen mit großem Streuradius gehört.

Anderer Gedanke.

Wir haben ja inzwischen zwei Katzenklos. Oder drei, wenn man den Garten mitzählt. Was hier zu beobachten ist: Gina buddelt leidenschaftlich gern! Ihre Zielstrebigkeit beim Toilettengang habe ich schon beschrieben. Da ist nichts Zaghaftes in ihr, da war von Anfang an keine Schwäche bei dem halb verhungerten Tier – wenn ein Loch gegraben werden will, dann hat es ihre volle Energie verdient! Eine Katze hört man im Regelfall ja nicht gehen. Laufen schon, aber gehen nicht. Leise und sanft berühren die Pfoten den Boden, Merkmal eines Schleichjägers! Das ist sofort vorbei, wenn’s auf’s Klo geht. Da raschelt es dann gewaltig – jeder im Raum weiß, was jetzt kommt! Glücklicherweise gehört „Streu rausschmeißen“ bislang nicht zu ihrem Verhaltensrepertoir, und ich hoffe es bleibt so. Wenn ich aber das Katzenklo säubere, dann ist sie mit großem Interesse dabei. Insbesondere, wenn ich hinterher die Streu wieder glattharke, damit sie überall eine gleichmaäßig dicke Schicht vorfindet, ist sie geneigt, sich pfötelnd einzumischen. Ich versuche das nicht zu ermutigen. Wenn Buddeln für Gina zum Spiel wird, dann wird fünf mal täglich fegen für mich zum Alltag, und Katzenklo sauber machen zum Kampf!

Wahrnehmung ist etwas zutiefst Subjektives. Schon Individuen einer Art könne zu einundderselben Sache ganz unterschiedlicher Meinung sein. Das erklärt die seltsame Tatsache, dass es schwarze Schokolade und Kaffee gibt – irgendjemand muss das ja wohl toll finden, was sich mir persönlich so gar nicht erschließt. Wenn man die Artgrenze überschreitet, werden die Abweichungen der Vorlieben und Abneigungen größer. Während kuscheln eine Konstante unter sozialen Säugetieren zu sein scheint, gehen an anderer Stelle die Meinungen stark auseinander. Barfuß in Kacke treten? Kennst du das Gefühl, lieber Leser? Noch warm oder schon kühl, matschig-klebrig, der Geruch, der dann aufsteigt, so dass man weiß, was passiert ist, noch ehe man den Blick zu Boden wendet… Nun, Gina juckt das nicht. Aber WASSER an den Pfoten, egal ob es mit Waschlappen, fließend oder am feuchten Gras kommt – igitt!!!

Wie schon erwähnt, kuscheln sehr viele Tiere sehr gern. Katzen werden unter anderem oder hauptsächlich aus diesem Grund gehalten. Und es ist anrührend, wenn so ein kleines Wesen sich an einen schmiegt, gern am Hals, wo es schön warm ist und die Haut sensibel. Oder ans Gesicht… apropos Gesicht… wofür Gina ebenfalls das Verständnis fehlt, ist, dass ich weder ihre Rotznase, noch ihren Popo gern im Gesicht habe. So voller Liebe und ohne Arglist…

Gina – Tag 9

So langsam stellt sich Routine ein. Lenny und Mann sind im Wald, Gina frühstückt unten, nachdem sie nachts im Bad den Napf völlig geleert hat. Dann wird gespielt und erkundet, gefolgt vom Vormittagsschlaf. Wir waren dann nochmal beim Tierarzt. Hier gibt es Fortschritte zu melden: Ab morgen bekommt Gina zweimal täglich eine Tablette und nicht mehr alle zwei Tage ein Spritze. Leider werde ich ihr das nicht palusibel machen könne („Wenn du diese Tablette nimmst, dann musst du nicht zum Tierarzt und bekommst diese fiese Spritze nicht!“), mal sehen, wie sie die Tablette aufnimmt. Wer keine Ahnung von dem Vorgang hat und Englisch spricht, kann mal die Suchmaschine seiner Wahl mit diesem Satz füttern: „How to give a cat a pill“, gern in Kombnination mit dem Wort „funny“. Ein erfahrener Katzenbesitzer hat mir mal gesagt, dass diese Beschreibung den Vorgang sträflich verharmlost. Sei’s drum. Ich hoffe derzeit darauf, dass ich ein Leckerchen finde, in dem ich die Pille verstecken kann, und Gina das Ding freiwillig nimmt. Man darf ja hoffen.

Gina und Lenny kommen sich inzwischen weiter näher. Leider ist es erstaunlich schwierig, das photographisch festzuhalten. Tiere zu photographieren ist ja grundsätzlich nicht einfach. Haustiere, so denkt man, sind da einfacher. Aber nur, wenn einem egal ist, was das Tier grade macht. Für ein gutes Photo muss ja viel zusammen kommmen. Ein interessantes Motiv, der passende Hintergrund, geeignetes Licht… Nun Lenny und Gina nähern sich am liebsten an, wenn entweder der „Hintergrund“ nicht gut ist (z.B. unterm Tisch, ein Wirrwar aus Stuhlbeinen, Streben und Balken), oder wenn oder wo die Beleuchtung erbärmlich ist (dunkle Ecke, Dämmerung oder nur die Deckenlampe ist an, und bis ich angemessene Beleuchtung organisiert habe, sind sie natürlich schon wieder woanders…). Und so sieht das dann aus:

Mit dem lichstärsten Objektiv in einem ruhigen Moment bekommt man dann ein einigermaßen scharfes Bild

Also: Photobeweise werden auch in Zukunft rar sein, aber ich erzähle mal, wie sich die Beziehung der beiden so entwickelt. Sobald sich die Katze bewegt, ist der Hund hellwach. Er verfolgt jede Bewegung, mal mit den Augen, mal läuft er hin. Wenn die Katze rennt, rennt er hinterher. Dabei scheint Gina keine Angst vor ihm zu haben, und Lenny zeigt keine seiner typischen Aggressionsmerkmale (wir kennen das ja, wenn er Katzen aus SEINEM Garten verjagt). Gina geht auch manchmal direkt auf Lenny zu. Das ist ihm noch nicht ganz geheuer. Anfangs hat er sie dann angeblafft, inzwischen weicht er ihr eher aus. Wenn die Katze dann die Richtung wechselt, geht er hinterher. Besonders in der Küche (weil dort sein Fressnapf steht?) umkreist er sie, er macht den Eindruck eines Hütehundes, der seinen Schützling in eine andere Richtung treiben will. Des Weiteren hat Gina gelegentlich Lust zu rennen. Lenny hinterher, versteht sich. Aber mehr aufgeregt als aggressiv. Die beste Szene war so: Gina rennt in die Küche, Lenny hinterher, Gina macht Halt unter einem Stuhl, über dem eine Jacke bis fast zum Boden hängt, sie ist also kurz nicht sichtbar. Während der Hund andersrum den Stuhl umrundet, rennt Gina zurück ins Wohnzimmer, mit ihren weichen Pfoten hört der Lenny sie nicht, und er ist dann ganz fassungslos, weil sie nicht unter dem Stuhl sitzt, wo sie doch eben drunter verschwunden ist! Dann läuft er aufgeregt in der Küche herum, Nase immer wieder am Boden und sucht!

Beiden ist es ein Bedürfnis sich gegenseitig zu beschnuppern und zu erkunden. Am Abend gipfelte das dann darin, dass Gina auf dem Rücken lag, Lenny ihren Bauch beschnuppert und das Kätzchen ganz vorsichtig, wie sie das auch bei mir macht, mit der Pfote das Gesicht des Hundes berührt.

Ich hab die Kamera immer griffbereit liegen, aber die Sekunden, die es dauert, sie zu nehmen und einzuschalten, sind bei der quirligen Interaktion der beiden eben meistens schon zu lang. Geduld. Es wird werden, wenn ich Geduld habe und lang genug auf der Lauer liege. Wie immer, wenn man Tiere photographiert!.

Weil sich hier alles langsam einspielt, gibt es vermutlich nicht mehr jeden Tag genug für einen neuen Beitrag zu berichten. Außerdem wird es Zeit, dass ich mich mal wieder um den ganzen großen Rest meines Alltags kümmere…

Gina – Tag 8

Gestern Abend habe ich die Katze dann noch eine ganze Weile frei im Wohn- und Esszimmer laufen lassen. Einer ihrer Lieblingsplätze ist unter dem Esstisch. Der Tisch hat einen dicken Balken eine knappe Handspanne über dem Boden, die Stühle haben Streben, über die man wunderbar drüberhüpfen kann, wenn man eine kleine Katze ist. Da sitzt sie auch gern und beobachtet. Später hat sie noch den Sessel erklommen und dort eine Weile geschlafen, und dann noch das andere Sofa, wo der Hund auch gerne liegt. Da lag sie dann lang ausgestreckt, tiefenentspannt und hat geschlafen, bis wir ins Bett gegangen sind.

Heute früh war mein Mann natürlich wieder zuerst wach. Und natürlich wieder mit Katze im Garten (der Hund lag derweil bei mir im Bett, ihm behagt das frühe Aufstehen nicht). Wenn ich dann aufstehe, kommt Lenny ebenfalls runter. Die beiden Jungs gehen dann in den Wald, Gina und ich haben die untere Etage für uns. Gina hat das mit einer erstmals von mir beobachteten Putzorgie gefeiert (im Sessel). Weil sie über Nacht ihren Napf ratzekahl gefressen hat, hab ich frischen Katzensmoothie gemacht. Den Napf habe ich in der Küche mitten auf den Boden gestellt und sie gerufen. Mehrfach. Vielfach. Sie hat mich von ihrem Sessel aus zwar angeschaut, aber weiter nicht reagiert. Nagut. Eine Viertelstunde später nochmal. Nach etwa einem Dutzend „Gina“s kam sie dann und machte sich einfrig über das Futter her! Es wird. Ganz bestimmt.

Was sich auch abzeichnet, ist, dass ihre Tage im Bad gezählt sind. Nach dem ausgiebigen Frühstück habe ich Gina ins Bad zum Katzenklo gebracht. Fand sie nicht gut, sie wollte sofort zur Tür wieder raus. Aber ich war schneller. Als ich kurz darauf den Futternapf hineingebracht habe, hat sie vorschriftsmäßig die Toilette benutzt und dann – schwupps – wieder zur Tür raus! Und weiter im Galopp ins Schlafzimmer, wo sie plötzlich stehen blieb, erschrocken vor der eigenen Courage… Heute kaufe ich ein Katzenmöbel, eine Tonne mit zwei Höhlen und einem Liegeplatz oben drauf. Ich stelle mir vor, dass sie die mag, sowohl die Höhlen, als auch die Übersicht von oben. Da hätte sie dann einen Rückzugsort vor dem Hund, der Hund muss keinen Konflikt aushalten wegen der Katze auf SEINEM Lieblingsplatz, und das Katzenklo braucht einen neuen Stellplatz (oder wir brauchen ein zweites?), denn die Treppe und das Treppenhaus sind erstmal noch tabu.

Ein paar Stunden später zeigt sich, dass das Katzenmöbel und das Kätzchen wohl Zeit brauchen, sich aneinandern zu gewöhnen. Der Ausblick von oben interessiert Gina nur kurz, die Höhle gar nicht. Besser geht es mit den zweiten Katzenklo. Dafür habe ich auch noch andere, kompostierbare Streu. Das neue Klo mit der neuen Einstreu kommt an den gewohnten Platz, während mein Mann für das vertraute einen schön versteckten, ruhigen Platz hinter dem Sofa sucht. Man hört ja bisweilen dramatische Geschichten zu dem Thema („Was hast du da in mein Klo getan, Mensch?!? Sowas benutz ich nicht!!!“ und zack, findet man eine Pfütze Katzenurin auf dem Persianerteppich). Gina macht sowas zum Glück bis jetzt nicht. Neue Streu, neues Häuschen, egal – Hauptsache sie kann buddeln! Dafür hat sie das alte Klo bislang noch nicht benutzt oder nicht gebraucht.

Ein Termin in der Stadt führte mich auf dem Heimweg zu einem weiteren Zoofachhandel. Da habe ich, in Anlehnung an Ginas Spaß mit dem Papier-Mäuschen, Spielzeug gekauft. Es handelt sich um leichte Bälle mit Plüschbezug und einem Glöckchen drin. Das ist genau ihre Kragenweite! Damit kann sie sich stundenlang (bei genauer Betrachtung ist es natürlich eher minutenlang) selbst beschäftigen. Lenny schaut sich das hochkonzentriert an. Nicht der Ball ist dabei interessant (wir haben vier, ich hab ihm auch einen gegeben, weggekullert, einmal hinterher, dann langweilig), sondern die Katze.

Noch interessanter wird die Katze, wenn sie sich fortbewegt. Dann ist er sofort da, läuft mit, umkreist sie. Er wirkt ein bisschen wie ein Hütehund, der versucht, ihre Richtung zu kontrollieren. So richtig lustig wird es aber, wenn sie schnell hierhin läuft – Lenny hinterher – und dann schnell dahin – und Lenny hat das nicht mitgekriegt. Da ist die Katze plötzlich weg! Und er sucht ganz aufgeregt und versteht wahrscheinlich die Welt nicht mehr. In seiner Welt verschwinden Lebewesen nicht einfach!

Abends bin ich mit Gina an der Leine zu Spiky gegangen. Katze an der Leine unterscheidet sich durchaus grundlegend von Hund an der Leine. Sie geht viel langsamer, vorsichtiger, ist aber nur schwer von einer Richtung zu überzeugen („Gina! Komm hier lang! Na komm! Gina, Giiinaaa!“ – bei einem Hund hätte das funktioniert…). Auch sanftes Ziehen funktioniert nur sehr eingeschränkt. Immerhin hat sie eine neue Pinkelstelle gefunden („Oh, hier kann man wunderbar buddeln!!!“). Spart Katzenstreu.

Die letzte Stunde des Tages scheint sich so einzuspielen, dass Mann und Hund ins Bett gehen, die Katze nochmal eine Runde im Wohnzimmer dreht, um dann auf dem Sofa zu schlafen. Wie ich schon vermutet hatte, war das mit dem Käfig zur Nacht ein Auslaufmodell. Obwohl sie schon in ihrer Höhle lag, satt und müde war, maunzte sie herzerweichend, als ich den Käfig zu machte. Draußen war sofort wieder alles gut. Also hab ich sie gelassen. Allerdings habe ich die Badezimmertür abgeschlossen, damit mein Mann und ich vernünftig wach werden, sollte es uns nächtens zum Klo ziehen…

Gina – Tag 7

Das kleine Kätzchen wollte heute etwas länger schlafen. Und auch der Hunger erwachte erst spät. So habe ich das Gewicht vor und nach dem zweiten Frühstück: 816g und 860g. Also 44g in einer Mahlzeit. Rund 5% des Körpergewichtes. Für einen 70-kg-Menschen wären das 3,5kg. Das ist selbst für einen hochaktiven Jugendlichen in einem Wachstumsschub eine gewaltige Menge für EINE Mahlzeit. Und die Katze frisst in jeder Wachphase. Mindestens einmal pro Tag, manchmal zweimal muss ich ihr Futter anmixen. Das besteht derzeit aus 150g Katzenfutter und 200ml Milch, plus vereinzelte Bröchchen von Katzenfutter. Und Hundefutter.

Der größere Teil wird natürlich wieder ausgeschieden. Entsprechend oft muss das Katzenklo von Klumpen befreit werden. Weil sie nach wie vor die Flüssignahrung bevorzugt, pinkelt sie unglaublich viel. Und: Seit den beiden Fehlplatzierungen ist nichts mehr passiert! Während sie sonst manchmal etwas unentschlossen wirkt, beobachtet, scheinbar absichtslos herumläuft, ist sie sehr zielstrebig, wenn sie auf’s Klo muss. Zack, rein, und dann kräftig buddeln, durchaus in der Art, wie Hunde, wenn sie Jagdfieber haben, draufsetzen und – Belohnungstreicheln abholen…

Dann war heute wieder ein Tierarzttermin. Den Augen geht es besser (dranbleiben), die Ohren sind in Ordnung, Herz und sowas abgehört, Bauch abgetastet, Spritze, in zwei Tagen wieder kommen. Es ist langwierig, sagte die Tierärztin, und braucht noch Geduld. Draußen gab es einen wartenden Dackel. Der war sehr interessiert, konnte wohl auf die Enfernung – wir haben natürlich großen Abstand gehalten – zunächst nicht einordnen, was das ist. Ein anderer Hund? Dann hat er sie als Katze erkannt und gebellt. Gina hat sich erschreckt und sich in eine geschützte Ecke zurückgezogen. Interessant. Wenn Lenny bellt, juckt sie das nicht, solange es nicht in unmittelbarer Nähe ist. Lange hielt das nicht an, da musste ein Grasfleckchen inspiziert werden, und die Sonne schien, also ein wenig hinsetzten und die Sonne genießen….

Zu Hause hat sie dann gleich wieder ordentlich gespachtelt, gefolgt von einem Mittagsschlaf.

Neben Fressen und Schlafen war bislang Schmusen Gina Lieblingsbeschäftigung. Seit heute muss ich eine weitere hinzufügen: Spielen. Sie hat auch in den letzten Tagen schonmal spielerisch nach etwas geprankelt, aber seit heute geht es richtig los. Heute Morgen hat mein Mann ihr eine „Maus“ gemacht (zusammengeknülltes Papiertaschentuch). Damit hat sie sich mehrfach selbst beschäftigt, bis ich das „arme Tier“ heut Nachmittag zerlegt im Bad gefunden habe. Und heute Abend geht es richtig rund! Zuerst hat sie mit meinem Schuh gekämpft (ohne Fuß). Ich hab versucht, das mit „nein“ und Ablenkung zu unterbinden – bei diesem konkreten Schuh wäre es nicht weiter schlimm, aber ich hab ja auch noch anderer Schuhe, und jeder (außer Gina) weiß, bei einer Frau und ihren Schuhen hört der Spaß auf.

Also: Ein Stückchen Katzen-Trockenfutter, das sie bislang verschmäht hat, aber es ist rund und kullert gut. Sie fand das wirklich spannend, hat es selbst mit der Pranke (Pfote? Pfötchen?) hin und her geschubst, aber meine Hoffnung, dass sie die Beute erlegt und frisst, hat sich nicht erfüllt. Neuer Versuch mit einem Stückchen Hunde-Trockenfutter (das hat schließlich schonmal geschmeckt). Auch damit lässt sich trefflich spielen, aber auch hier kein Tötungsbiss. Dann hatte mein Mann ihr einen Ball bereitgelegt, knapp tennisballgroß, aber sehr leicht. Der kullert nun ganz wunderbar und verführt zu kleinen Sprints! Als er dann in der Küche war, trampelte Gina versehentlich auf den dünnen Plastikdeckel, der sonst als Fliegenschutz auf Lennys Futterschüssel liegt. Hui wie der knackt und knistert! Der Deckel wird übel hin und her geschubst, ich bin sicher, falls er einen Magen hat, wird er seekrank…

Mir erschließt sich nicht, warum Leute Katzenspielzeug kaufen. Wo doch die ganze Welt ein Abenteuerspielplatz ist! Und morgen gibt es Photos – versprochen!

p.s.: Und wie ich so am Korrekturlesen bin, springt, oder besser gesagt klettert Gina zum ersten Mal auf das Sofa! Jetzt liegt sie auf meiner Brust und versperrt nur ein ganz kleines bisschen die Sicht auf die Tastatur.

Gina – Tag 6

Gestern Abend habe ich Gina, nachdem mein Mann und Lenny ins Bett gegangen sind, die Küche inspizieren lassen. War das spannend! Und das Beste war ein riiieesiger Futternapf! Dass wollte Gina ganz genau wissen! Oh, wie das duftet! Das konnte sie sogar mit ihrer verstopfen Schnupfennase riechen! Da hat sie sich schnell ein paar Häppchen genehmigt!

Hallo? Abgestandenes Hundefutter?? Nachdem sie die köstliche, von verschiedenen Seiten dringend empfohlende Katzenbaby-Luxus-Paté verschmäht hat??? Aber gut. Ich hab schnell eine andere Sorte Katzenwelpen-Futter geöffnet und angeboten, und siehe da: Sie stürzt sich giereig darauf (als würde sie sonst nix zu fressen kriegen…). Na gut, wir werden experimentieren. Vermutlich wird der Hund in nächster Zeit häufiger mal verschmähte Katzenfutter-Sorten zu fressen bekommen. Oder der Igel bekommt es. Wobei der auch nicht jede Sorte frisst…

Die vollgefressene kleine Katze hat also gut geschlafen. Mein Mann ist früher ins Bett, also auch früher aus dem Bett gestiegen und hat Gina einen Abenteuerausflug spendiert. Zuerst ging es zur Vogelfütterung in den Garten (wie aufregend! So viel zu entdecken!!), dann noch vor’s Haus. Dort fand sie das Auto toll. Also UNTERM Auto fand sie toll. Mein Mann hat sie dann mit einem Stöckchen wieder hervor gelockt. Der nächste Ausflug ist wohl besser mit Leine…

Interessant (und herzerwärmend) ist, wie sich die Beziehung zwischen meinem Mann und der Katze entwickelt hat. Selbstverständlich hatte er keine Einwände, dass ich das Häufchen Elend zum Tierarzt bringe, aber eine gewisse Reserviertheit war schon da, als ich sie mit nach Hause brachte. Davon ist nichts übrig geblieben… Das Einkaufen von Katzenmilch ist nicht mehr meine Aufgabe, mein Mann wacht über den Hund, wenn ich grad nicht aufpasse, und morgens ist er der erste am Käfig, in dem sie sicherheitshalber schläft, bis der Hund seinen Frieden mit ihr gemacht hat.

Nach dem aufregenden Frühsport schläft sie jetzt so tief, dass sie das Öffnen der Zimmertür nicht hört… eigentlich wäre das Wiegen und die Augensalbe dran, aber Schlaf ist für heranwachsende Tiere natürlich sehr wichtig.

Wir waren dann noch in Lennys Lieblingsladen (Fressnapf) in der Nachbarstadt. Er läuft mit Begeisterung durch die Gänge und schnuppert an allem. Nicht, dass er das haben möchte und sich was klaut, es ist mehr wie ein Schaufensterbummel. Ich habe mich währenddessen in der Katzenabteilung umgesehen und KEINEN Kratzbaum gekauft, KEINE zweite Toilette, KEINE Heizungshängematte, KEIN Katzenspielzeug, sondern mich tatsächlich auf das Notwendige beschränkt (u. A. Augentücher, eine Schmutzfangmatte für das Katzenklo, holzbasierte Katzenstreu, außerdem gab es ein Begrüßungsgeschenkt für Kätzchen, eine Tüte mit Papp-Kratzbrett, Leckerchen und Spielzeug), ergänzt um einen Sack Vogelfutter, Meisenknödel und eine Packung Igelfutter. Mein Mann war leicht genervt, ER ist andauernd hier (Vogelfutter…), er kennt das alles, und die Katzenabteilung hat auf ihn offensichtlich nicht die selbe Anziehungskraft wie auf mich. Das Vogelfutter hat ihn dann aber versöhnt…

Etwas, worum ich herumgeschlichen bin, ist ein chipgesteuerter Fressnapf, der sich nur für das Tier mit dem richtigen Chip öffnet. Das kann ein implantierte Chip sein, den beide Tiere (noch) nicht haben, oder einer am Halsband. Lenny LIEBT Katzenfutter. Die Katze hat schon gezeigt, dass sie das Hundefutter mag (s.o). Der Hund war zu dem Zeitpunkt nicht dabei, sonst hätten wir jetzt möglicherweise eine schwerverletzte Katze. Mittelfristig muss eine Lösung her, spätestens, wenn die Katze nicht mehr dauerbeaufsichtigt werden muss, und das verschlossene Badezimmer passé ist. Zur Erklärung: Das Badezimmer ist der Lieblingsraum des Hundes, wenn niemand zu Hause ist. Das ist seit der Ankunft der Katze nicht vorgekommen, aber ich vermute, dass seine Entrüstung groß ist, wenn er in unserer Abwesenheit nicht auf SEINER Badematte schlafen kann. Also, wir brauchen eine Lösung. Nicht heute, aber in den nächsten Wochen.

Nachmittags waren wir dann zu viert im Garten. Gina an der Leine, der Hund war nicht geplant und hätte eigentlich auch an die Leine gehört. So war es doch recht anstrengend, weil man so genau aufpassen musste. Gina ist nicht schüchtern, weder in neuen Räumen, noch im Freien. Das Konzept einer Leine hat sie natürlich nicht verstanden. Netterweise wehrt sie sich nicht dagegen, aber dass Leine und Gebüsch oder Stuhlbein eine schlechte Kombination sind, das übersteigt natürlich ihr Fassungsvermögen (und das vieler viel erfahreneren Hunde). Immerhin: Einmal hat Lenny sie zum Spielen aufgefordert. Sie hat das nicht verstanden – woher sollte sie das auch wissen – hat sich aber auch nicht erschreckt. Solange der Hund auf SIE zugeht, scheint für ihn alles in Ordnung zu sein, sobald sie die Katze IHM nähert, ist Schluss mit lustig. Daran wird sich vermutlich nicht viel ändern, das macht er bei anderen Hunden in seinem Revier auch so. Ich hoffe, Gina versteht das bald. Lenny ist neugierig genug, dass sie sich auch so näher kommen können.

Den Abend habe ich auf dem Sofa verbracht, habe mir auf dem Tablet einen Film angesehen, die Katze an mein Gesicht geschmiegt. Es hat ein bisschen gedauert, bis sie eine Position gefunden hat, die ihr angenehm und mir nicht unangenehm war (ich sag nur „Rotznase“ und „Pupsen“), aber dann hat sie selig geschlafen…

Gina – Tag 5

Die letzte Nacht hat Gina zwar im Bad, aber auch im Käfig verbracht, um sie vor halb schlafenden Menschen und einem hellwachen Hund zu schützen. Das improvisierte Katzenklo darin hat sie eifrig benutzt, der Durchfall ist weg, Näpfchen leer… als ich ins Bad kam, hatte mein Mann sie schon wieder raus gelassen, und sie lief maunzend herum – ich habe das ganz richtig als Hunger interpretiert. Sie stürzte sich wie ausgehungert (KANN NICHT SEIN!!! Sie hatte einen halb vollen Napf für die Nacht!) auf die neue Malzeit. Außerdem kann ich ein gebessertes rechtes Auge melden. Das linke sieht immer noch sehr seltsam aus. Der Schnupfen ist auch noch hörbar da. Heute Mittag geht es wieder zum Tierarzt, mal sehen was der sagt. Gegenüber dem Fundtag hat sie mehr als 200g zugenommen!

Hunde, sagt man gern mal, hätten Herrchen, Katzen hätten Personal, gern despektierlich als Dosenöffner bezeichnet. Gina futtert zwar mit Elan, aber die wichtigste Funktion ihres Personals ist Kuschelgefährte. Seit heute beherrscht die das um-die-Beine-streichen! Aber auch ihre Neugier ist erwacht. Sie erkundet verstärkt und recht furchtlos die Gegend, wobei sich herausstellte, dass das eigentlich übersichtliche Badezimmer doch nicht so katzensicher ist wie gedacht. Die herabfallenden Kleinteile hat sie mit Fassung getragen! Außerdem fängt sie zaghaft an zu spielen. Das ist bislang nur ein wenig Interesse an kleinen, sich bewegenden Gegenständen: Der animierte Aufhänge-Zipfel eines Handtuches verführte sie zu sanftem Prankeln, und der in knisterndes Plastik verpackte Filterstreifen ihres Katzenklos ebenfalls.

Jetzt schläft sie gerade, ist zwischen meinen Oberschenkel und die Sofalehne gerutscht, halb auf dem Rücken und nuckelt offensichtlich im Traum! Und die Kamera liegt außer Reichweite!!!

Zwei Stunden später, nach einem kleinen Ausflug an der Leine in den Garten, scheint Gina wieder müde zu sein. An dieser Stelle fehlt jetzt ein Photo. Warum, das ist selbsterklärend: Ich liege auf dem Sofa, mit angewinkelten Beinen auf der Seite, den Laptop vor dem Bauch. An meinem Hals liegt Gina und verfolgt fasziniert meine tippende Hand. In meinen Kniekehlen liegt, auf seinem angestammten Lieblingsplatz, Lenny – zum ersten Mal seit Tagen! Wir sind – da bin ich sicher – ein perfektes Bild des Wohlbehagens, aber auch nur so lange, wie ich nicht aufstehe…

Solange Gina ein bisschen Tuchfühlung hat, ist alles gut.

Dann stand heute wieder ein Besuch beim Tierarzt an. Es gab wieder eine Spritze, die Augensalbe soll ich häufiger geben (na toll…) und die Haarlinge sind wohl erledigt. Außerdem hat Gina dem Tierarzt ins Blumenbeet gekackt, aber erst, nachdem sie mit Schmackes ein Loch gegraben hat. Ich hab es dann zu gemacht.

Den Nachmittag haben wir wieder zu dritt auf dem Sofa verbracht. Der Hund wird gelassener, auch wenn er sie heute einmal angeblafft hat, als sie sich ihm näherte. Richtig verstanden hat sie das noch nicht.

Grad hab ich ihr eine Katzenhöhle gebaut, erstmal ganz simpel: Ein Karton mit breitem Loch und einem Handtuch drin. Wenn ihr sowas gefällt, dann werde ich ihr etwas Hübscheres kaufen. Oder nähen? Mal sehen. Im Augenblick ist sie auf Erkundungstour im Esszimmer. Dabei hat sie einen Pinkelstopp eingelegt. Interessanterweise in der selben Ecke, in der Lenny seine Spezial-Leckerchen versteckt, wenn er sie nicht gleich fressen will, und sie zu kostbar sind um sie nicht anzunehmen. Ich denke, dass ich das Katzenklo mitnehmen sollte, wenn Gina länger unten ist. Die Treppe und den Weg ins Badezimmer kennt sie noch nicht. Vermutlich kommt sie nichtmal die glatten Treppenstufen hoch. Für so ein kleines Tier ist das Haus bestimmt gewaltig! Da hat sie noch viel zu tun, bis sie es kennt.

Gina – Tag 4, Fortsetzung

Hab ich mich grad mit meinem schnellen Katzenklo-Erfolg gebrüstet? Naja. Inzwischen hab ich eine Badezimmerecke aufgewischt und den Badeteppich in die Waschmaschine gegeben… Signorina Gina wird auf jeden Fall ihren primären Aufenthaltsort weiter im gefliesten Bereich haben (jedoch mit einer alten Jeans statt Teppich!).

Aber ich wollte noch von Hund und Katz erzählen. Lenny, unser Hund, hat zunächst gar nicht mitbekommen, dass wir einen neuen Bewohner im Haus haben. Wir hatten die Katze im Gästezimmer unter dem Dach untergebracht, wo es warm ist, und welches ein Zimmer ist, das der Hund praktisch nie allein aufsucht. Irgendwann fiel ihm natürlich auf, dass ich da oben war, und er kam gucken, sprich: schnuppern. Da war er natürlich erstmal aufgeregt. Mit Katze auf dem Arm durfte er dann auch gelegentlich hinein, unterstütz von ganz viel Lob und Streicheln, und sich ein Bild von der Lage machen.

Dann gab es den Vorfall beim Wiegen: Als ich die Zahlen aufschreibe hupft die Katze vom Tisch (was denkt sie sich?!?) auf die Küchenbank, und der Hund schnappt nach ihr! Er hat sie nicht erwischt, die Katze hat es nicht mal gemerkt, aber da war klar, dass sie noch lange Zeit nicht allein miteinander bleiben werden.

Heute dann hab ich Gina mehrfach länger mit ins Wohnzimmer genommen (immer mit der Katze im Badezimmer rumzusitzen hat Grenzen…), Katze im Dauerkuschelmodus, Hund immer mal wieder interessiert oder auch wieder entspannt…

Nun ist es so: Der Hund war zuerst da. Er ist alt. Er soll keinen Stress, keinen Grund zur Eifersucht haben. Die Katze darf, solange sie so klein und hilflos ist, nicht verletzt werden. Wir werden uns also viel Zeit nehmen, die beiden aneinander zu gewöhnen. Weil beide Schmuser sind, könnte es am Ende schön werden. Im Augenblick bekommt Lenny extra viel Streicheleinheiten, und immer wenn ich Katzenfutter fertig mache, gibt es auch was davon für ihn (schmeckt natürlich viiieeel besser als sein Hundefutter…).

Mann und Katze mögen sich

Gina – Tag 4

Nachdem der Tag so kuschelig angefangen hat, ging es mit erhöhtem Milch-Fleisch-Smoothi-Input weiter. Die kleine Dame hat Appetit! Heute wird eine Portion wohl nicht reichen. Nassfutter will sie immer noch nicht, aber im Augenblick sei das noch egal. Hauptsache Kalorien!

Dann haben wir einen kleinen Ausflug mit Leine in den Garten gemacht. Gina hat sich an einer trockenen, lockeren Stelle nackter Erde ein Loch gegraben und hineingepinkelt! Der Rest vom Garten, insbesondere das feucht Gras, waren wenig interessant. Dann kam auch noch der Hund, dessen Gleichmut in Bezug auf neue tierische Familienmitglieder Grenzen hat…

Was heute auch ansteht: Ein Blick in die Zukunft. Ein Haustier, dass sich außerhalb eines Käfigs aufhalten soll, muss stubenrein sein. Also haben wir ein Katzenklo gekauft. Die örtliche Futterhandlung hatte eine recht große Auswahl; wir wählten eins mit Haube aus, dessen Tür und auch das ganze Vorderteil man entfernen kann.

Gina zieht also vom Gästezimmer ins Badezimmer um. Das ist der einzige geflieste Raum von angemessener Größe mit Tür, damit wir Hund un Katze getrennt halten können. Zunächst ist sie ein wenig neugierig. Als sie eine dunkle Ecke aufsucht, setze ich sie ins Katzenklo. Sie schaut sich kurz um, steigt dann aber wieder hinaus. Lieber schmusen. Als sie den nächsten Ausflug in eine dunkle Ecke macht, setze ich sie wieder ins Katzenklo. Und sie an, sie gräbt im hinteren Teil energisch und zielstrebig ein Loch, setzt sich drauf, macht Pipi, schiebt das Loch wieder zu! Das war leicht!!! Mal sehen, ob das jetzt zuverlässig klappt!

Im Augenblick liege ich mit Gina auf der Brust auf dem Sofa. Die Beine habe ich verhakt, der Laptop lehnt dagegen, vor dem Sofa liegt der Hund (der noch einen eigenen Beitrag bekommt), mein Mann sieht einen deutschen Film aus den fünfzigern… ein Photo von mir und Gina gibt es inzwischen auch, das ist aber nicht öffentlichkeitstauglich. Aber Bilder kommen bald, vesprochen!