Gina im Garten

Auf Ginas Hitliste der Lieblingsbeschäftigungen stehen „Leberwurst fressen“, „Rückenlehnen-Rundrennen“ und „Hundeschwanz fangen“ ganz weit oben. Nach Katzenkino (Vögel und Mäuse durch die Terrassentür beobachten) selbstverständlich. Unangefochtener Platz 1 ist allerdings ein Ausflug in den Garten. Ab und zu flutscht sie zur Gartentür raus. Das soll sie eigentlich nicht (Vogelwelt schonen, Straßenverkehr, liebeskranke Kater mit plärrenden Folgen nach neun Monaten…), ist aber mit vernünftigem Aufwand nicht ganz zu verhindern. Ich hab schon überlegt, eine zweite Tür vorzuschalten, wie man das beispielsweise in Streichelzoos hat, aber die dafür nötigen baulichen Maßnahmen sind hier im Haus sicher nicht mehrheitsfähig. Wie dem auch sei – Gina lernt. Und lehrt. Neuerdings sitzt sie auf der Küchenbank, direkt neben der Gartentür, und miaut. In der Küche um die Beine streichen heißt „Futterschüssel füllen“, auf der Küchenbank miauen heißt „ich will in den Garten“. Wann immer ich Zeit dazu habe, lege ich ihr dann das Geschirr um und gehe mit ihr raus. Selbstverständlich um ihr beizubringen, dass sie mit Miauen Türen geöffnet bekommt. Dann können wir in der Heizperiode unbesorgt die Türen schließen, und sie meldet sich, wenn sie auf das Katzenklo muss. Nette Nebenwirkung: Gestern hat sie erstmals beim Geschirranlegen still gehalten (eigentlich findet sie das doof), was darauf hinweist, dass sie das Geschirr als Eintrittskarte für den Garten begreift! Das ist doch mal ein gelungener Dressur-Akt!

Der Garten ist aus vielerlei Gründen spannend. Da huscht was im Gras – ein Grashüpfer, ein Schatten, eine blühende Phantasie:

Tausend spannende Gerüche…

Vielleicht sogar die Markierung eines Katers?

Selbstbewusst streift sie durch IHR Revier:

Aber das ganz große Glück heißt RENNEN. Wie ein nicht ausgelasteter Windhund. Ich hab immer gedacht, dass Katzen Schleich- und Lauerjäger sind. Vorsichtig bewegen, rennen nur im Notfall oder für den letzten Meter von Deckung bis Beute… aber diese nicht. 10-15-Meter-Sprints sind ihre Wonne! Vom Gebüsch am Kompost zum Igeldickicht neben der Bank, vom Schmetterlingsflieder zur Vogeltränke, mit einer Geschwindigkeit, die ich bei Katzen nur aus höchster Not kenne. Ein Hund würde japsen vor Freude. Die Katze freut sich stumm, aber ebenso deutlich.

Und wenn Frauchen dann mit Leberwurst an der Gartentür steht… wen interessiert’s?

Dann ist da noch das Thema „an der Leine gehen“. Dass eine Katze manierlich an der Leine geht – vielleicht ist das möglich, aber es ist bei Hunden schon nicht ganz einfach. Ich habe da wenig Hoffnung, und ich arbeite auch nicht daran. Aber es gibt noch ein anderes Problem. Jeder, der mit Hunden Gassi geht, weiß, dass es zwei Sorten von Hunden gibt. Solche, die das Problem „Leine kreuzt Laternepfahl“ verstehen, und solche, die das entweder nicht verstehen, oder das Problem an das andere Ende der Leine verlagern (das Ergebnis ist physikalisch identisch und bei flüchtiger Betrachtung nicht klar zuzuordnen). Gina versteht das Problem (noch) nicht. Sie wickelt die Leine mehrfach um das selbe Hindernis und wundert sich, warum sie trotz wachsender Kraftanstrengung nicht weiterkommt:

Das bedeutet auch, dass man sie im Garten angeleint nicht allein lassen kann. Naja. Als ich die Katze mitgenommen habe, war klar, dass es Einfluss auf mein Leben haben würde.

Wenn Gina ohne Leine in den Garten entwischt, dann lässt sie sich viel Zeit. VIEL Zeit. Wenig kann sie dann überzeugen, doch endlich rein zu kommen. Einmal kam sie wie ein geölter Blitz zurück: Auf dem Nachbargrundstück hatte jemand einen lärmenden Diesel gestartet, da ist sie schnellstmöglich in die Sicherheit „ihres“ Hauses geflüchtet. Ich fand das lustig, Gina wahrscheinlich nicht. Ansonsten bin ich es irgendwann leid, an der Tür zu warten (sich mit ihr im Garten aufzuhalten verlängert ihre Aufenthaltszeit drastisch). Also geh ich rein und rufe ab und zu. Und dann kommt sie irgendwann – hier von der Wildkamera erwischt, die aus unerfindlichen Gründen immer mit 1/32 Sekund knipst, immer zu langsam für bislang jedes Tier, das nicht stillstehen wollte:

Falls jemand einen Tipp hat für eine Wildkamere mit kurzen Verschlusszeiten und am besten auch regelbarer Blitz-Intensität: Her damit. Ein weiterer Beitrag zum nächtlichen Wildleben in unserem Garten ist in Arbeit, aber eine bessere Wildkamera hätte ich trotzdem gern.

Noch ein paar Bilder zum Schluss:

Nachthimmel-Experimente

Vor ein paar Tagen bin ich auf meiner Festplatte wieder über einen lesenswerten Artikel von Bastian Werner über Milchstraßenfotografie gestolpert. Genau. Das wird endlich mal Zeit. Der Sternenhimmel ist so ein Familiending, mein Vater und meine Großmutter waren ebenfalls davon fasziniert. Und gelegentlich ist selbst in unserer Gegend die Milchstraße zu sehen. Dank eines Wetterfotografie-Seminares bei eben dem genannten Bastian Werner, kenne ich jetzt die wichtigen Parameter und auch die Quellen, wo man erfährt, was für das Gelingen nötig ist. Seit Tagen beobachte ich den Wetterbericht, wann der Mond untergeht (blöderweise sind wir kurz vor Vollmond, den man da nun sowas von gar nicht brauchen kann…), versuche das mit meinen Schlafenszeiten zu koordinieren, aber die Wolkendecke ist unkooperativ…

Wie dem auch sei. Vorhin gucke ich nach Spiky, und was sehe ich? Den Mond mit einem zart gefärbten Wolkenschleier, schön hell – nix Sterne, aber hübsch anzusehen. Also hab ich das Stativ rausgeschleppt und das hier eingefangen:

ISO 200, 45mm, f/8, 1 sec.

Nicht ganz scharf, der Autofocus hat Probleme.

Auch mit manuellem Focus wird es nicht besser, außerdem ist der Mond selbst überbelichtet.

ISO 200, 100mm, f/4, 0,6 sec.

Dann verziehen sich die Wolken – wäre der Mond nicht da, wäre das ein Grund zur Freude – ich versuche das Beste daraus zu machen: Tele, fünf Belichtungsstufen runter. Keine spektakuläre Mondaufnahme, aber doch ganz nett für Omas ältesten Enkel.

ISO 200, 100mm, f/4, 1/320 sec.

Der nunmehr klare Himmel führt mich in Versuchung, mal zu sehen, was es in Richtung Milchstraße vielleicht doch zu sehen gibt:

ISO 200, 100mm, f/4, 8 sec.

Tja. Nicht viel. Bei Vergrößerung auf 200% erkennt man Sternenspuren statt Punkte – die Folge von 8 Sekunden Belichtungszeit mit dem Tele. Dann ist da noch ein vielversprechend heller Stern:

ISO 200, 100mm, f/4, 8 sec

Da erkennt man nicht nur die Sternenspuren von der langen Belichtungszeit mit Tele, sondern auch einen mächtigen Wackler. Daraufhin habe ich den Fernauslöser geholt. Das Ergebnis war trotzdem unbefriedigend, Spiegelungen neben dem hellen Stern, die mit weiteren Versuchen nicht verschwanden, sondern nur schärfer (!) wurden… Logisch denkend habe ich dann eine Sternenkarte zu Rate gezogen, und siehe da: Jupiter mit den vier Galileischen Monden! Kein Fehler!! Von richtig guter Astrophotographie ist das natürlich weit entfernt, aber Freude hat es mir doch gemacht.

Jupiter mit seinen vier größten Monden Ganymed, Kallisto, Io und Europa – ISO 1600, 100mm, f/4, 0,5 sec.

Igel – Update 13 – Endlich!!

Von Spiky habe ich lang nichts geschrieben, weil es wenig zu berichten gab. Igel sind nachtaktiv, Spiky ist NICHT zahm, und obwohl ich allabendlich mit „Spiky, guck mal, hier ist dein Leckerchen“ gelockt habe, hat sich die stachelige Dame nicht dafür interessiert. Manchmal saß sie schon draußen, aber sie reagierte sehr zurückhaltend auf den Futterservice. Sie kam erst zum Napf, wenn die Luft rein war. Unspannend.

Etwas interessanter war es, als sie im Frühsommer Herrenbesuch bekam. In unserem Garten wohnt ja noch ein Igel, und der ist männlich. Normalerweise sind Igel sehr territoriale Einzelgänger. Nur zur Paarungszeit… Leider konnten wir die beiden nicht zusammen lassen, so schön wir alle (Igel und Menschen) das gefunden hätten. Man stelle sich vor: Ein halbes Dutzend Igelbabys! *seuftz* Aber dann hätten wir für jeden irgendwann ein eigenes Revier suchen müssen, und ob Spiky mit ihrem gelähmten Bein in der Lage ist, sich gut genug um die Winzlinge zu kümmern, ist auch unklar. Die Igelpopulation benötigt ebenfalls kein Igelzuchtprogramm, also blieb die Sehnsucht der beiden unerfüllt, der Zaun unüberwindlich…

Etwas, was mir Sorgen gemacht hat, war, wie die restliche Wildtierpopulation auf die tägliche Bereitstellung von Fleisch reagiert. Meine größte Sorge war, dass Ratten sich über Spikys Futter her machen. Nicht nur, weil unser Igel dann unter Umständen zu wenig zu fressen bekommt, sondern auch weil ich keine Rattenvermehrung fördern will. Darüberhinaus habe ich mir ausgemalt, wie sich Igel und Ratten um das Futter streiten. Ratten haben eine beachtliche Kampfkraft… eine Lösung musste her. Eine Wildkamera.

Seit einigen Tagen besitze ich also eine Wildkamera, ein preiswertes Modell von einem spezialisierten Hersteller. Bevor ich in die Details gehe, jetzt endlich mal wieder ein Bild:

Wie man sieht, ist die Bildmitte stark überbelichtet. Die Kamera soll bis 25m Entfernung funktionieren, und die Intensität des Blitzes ist nicht einstellbar. Aber immerhin: Spiky beim Fressen.

Es zeigte sich, dass unser stacheliger Pensionsgast grob einmal die Stunde für 10-15 Minuten auf Tour geht, in den frühen Morgenstunden – 3 oder 4 Uhr – zum letzten Mal.

Die wichtigste Information: Kein Rattenbesuch. Gut. Der andere Igel war übrigens auch wieder da!

Hinter dem Zaun links sieht man ein Auge glühen und mit ein bisschen Vorstellungskraft einen recht großen Igel dazu

Ich hab dann versucht, ob sie sich der Blitz selbst anpassen kann, indem ich die Hinterseite des Käfigs abgehängt habe (was auch die Anzahl der Tagesphotos reduziert – dazu gibt es einen eigenen Beitrag). Geholfen hat es nicht.

Wie sich zeigte, macht Spiky auch tagsüber kurze Ausflüge (Toilettengänge vielleicht?). Natürlich nur, wenn keiner im Garten ist – Igel hören ausgezeichnet! Wir haben sie noch nie draußen gesehen. Aber jetzt:

Fazit: Im Igelgehege ist alles in Ordnung. Jetzt gibt es noch einen Beitrag zur sonstigen Tieren in der Fotofalle, und dann wechselt die Kamera ihren Standort.

Der Tag, an dem Gina das Fressen lernte

Das klingt natürlich seltsam – hat das Kätzchen bislang von Luft und Liebe gelebt? Auch. Aber primär von Katzenmilch, in der Katzenwelpenfutter püriert war, bitte nicht mehr als 150g auf 200ml Milch. War das Zeug (= Katzen-Smoothie) dicker, war die Akzeptanz schlechter. Und den dicken Bodensatz, wenn es mal etwas länger gestanden hat, hat sie im Napf gelassen. Selbst die Luxus-Baby-Paté, die ganz zart und leicht zu schlecken war – bitte in Milch püriert!

Das Kauen ist ja gut für Zähne und Kiefer, schon allein deswegen sollte die Milch-Schlabberei kein Dauerzustand sein, aber ich hätte auch gern ein Leckerchen zum Locken. Irgendwas, was sie unwahrscheinlich gern frisst und wofür sie alles tut… ihm Rahmen des für Katzen Erwartbaren natürlich. Die Thunfisch-Streifen waren kein schlechter Anfang, den ersten hat sie zerspielt, den zweiten ein paar Tage später dann tatsächlich mit großen Scheinangriffen zerlegt und gefressen! Den dritten hat der Hund erwischt, den vierten habe ich eine Stunde später nahezu unversehrt ein Stück weiter gefunden. Kein Durchbruch. Auch zwei andere Leckerchen-Sorten animieren zwar zum Spiel, aber Fressen? Hä? Was’n das?

Tja. Und heute. Heute Abend habe ich eine große Dose Edelfutter für erwachsene Katzen aufgemacht – ich wollte dem Igel mal was Neues anbieten. Und wie Gina so in der Küche umherstreift, dezent interessiert am Hundefutter, dachte ich, ich probier es mal wieder. Also kriegt sie ein kleines Bröckchen, vielleicht 1/3 Teelöffel auf einem Plastikdeckel. Das is aber mal interessant! Gina schnuppert, schubst den Deckel mit der Pfote, schnuppert, leckt, schubst, macht einen großen Sprung, zurück zum Deckel, lecken, schubsen, wegrennen, wiederkommen, tätzeln, springen, das Fleisch liegt inzwischen auf dem Küchenboden, und da, da setzt sie sich hin, erst lecken, dann: KAUEN! Sie hat das Bröckchen tatsächlich nach allen Regeln der Kunst – unter offensichtlichem Einsatz der Backenzähne – gefressen! Auch das zweite Bröckchen, das ich zügig nachgeliefert habe, war schnell weg. Danach siegte wieder der Spieltrieb, der kleine Keramik-Napf mit dem gehäuften Teelöffel Katzenfutter, das ich ebenfalls in mundgerechte Portionen zerteilt hatte, wurde nach der Hälfte dann uninteressant. Aber immerhin: Das sieht vielversprechend aus!

Das wollte ich mal eben erzählen. Fortsetzung folgt.

Ein paar Bilder habe ich noch, wie sich Hund und Katz langsam näher kommen (ich weiß leider nicht, wer da zuerst gelgen hat und wer sich dazu legte…)

Gina – update zur 3. Woche

Ein neues Highlight war, als ich neulich die Katzentoilette sauber gemacht habe. Bislang hat Gina das nicht interessiert, oder sie hat es nicht mitbekommen, heute wurde sie vermutlich von den Geräuschen angelockt und schaute dann ganz fasziniert zu, wie ich mit dem Schäufelchen die Streu durchsiebte, wieder gleichmäßig verteilte und glattstrich. Ich könnte mir vorstellen, dass sie demnächst auf die Idee kommt mitzubuddeln. In der Natur einer Katzentoilette mit Klumpstreu liegt, dass der Streupegel täglich sinkt. Mein Mann hat neulich noch eine andere Sorte Streu mitgebracht (war in seinem Lieblingssupermarkt im Angebot…), davon habe ich ein kleines Häufchen in die Mitte gesetzt. Zum pinkeln geht Gina ganz nach hinten, Kot setzt sie ärgerlicherweise lieber vorne hin (und das riecht man dann eine ganze Weile…). Die großen Urinmengen – sie besteht ja immer noch auf ihren Milchshake, von dem sie raue Mengen verschlingt – sickern bis zum Boden durch und pappen bei der mineralischen Streu da fest. Die pflanzenbasierte Streu in der anderen Toilette klumpt zwar nicht so exzellent, pappt aber nicht fest. Mal sehen, wie sich die dritte, pflanzenbasierte Sorte so macht. Ich will sie mit der mineralischen mischen und hoffe, dass das dann weniger pappt. Kurios, worüber man sich als Katzenbesitzer so Gedanken macht.

Gina hat einen neuen Lieblingssitzplatz. Und zwar sitzt sie häufig und ausdauernd auf der Rückenseite meines Photo-Rucksackes. Der ist, wie sich das für die gehobene Mittelklasse gehört, gut gepolstert und wärmt naturgemäß auch etwas (ein voluminöses Netzgewebe über dem Polster ermöglicht dabei Zirkulation, er macht also keinen verschwitzten Rücken). Da sitzt sie dann leicht erhöht, falls ihr mal nicht der Sinn nach Höhle stehen sollte.

Die Beziehung zwischen Lenny und Gina ist weiter vielschichtig. Neulich schien Lenny nur darauf zu warten, dass Gina seinen Lieblingsplatz auf dem Sofa verlässt – kaum war sie weg, zack, lag der Hund dort. Wenn er mal auf das Sofa spring ohne zu wissen, dass Gina da liegt, dann druckst er ein bisschen rum und geht wieder. Wenn Gina sich seinem Liegeplatz nähert, womöglichmnamnEN (<= SO SIEHT DAS AUS, WENN EINE KATZE ÜBER DIE TASTATUR LÄUFT, EINSCHLISSLICH DER FESTSTELLTASTE FÜR DIE GROSSBUCHSTABEN), also nochmal: Gina nähert sich dem liegenden Lenny, sei es aus Neugier oder um sich dranzukuscheln, denn so ein Hund ist bestimmt ein warmes Plätzchen, dann steht der Hund regelmäßig irritiert auf und verschwindet. Jetzt grade liegen sie beide auf dem Sofa, die Katze war zuerst da, direkt neben mir, dann 10cm Abstand, dann kommt der Hunde-Hintern, sein Kopf liegt auf der entfernten Armlehne. Ich streichle zwischen den Sätzen beide abwechselnd.

Zwischendurch suchte Lenny dann mal einen anderen Lieblingsplatz auf, die Treppe vor der Gartentür. Mein Mann war grad am werkeln, das ist ein Bonuspunkt, und von da aus kann man die Hälfte des Gartens überblicken, es ist nicht zu warm, jeder muss an ihm vorbei – strategisch einfach gut!

Lenny schaut seinem Lieblingsmenschen bei der Arbeit zu

Lenny wollte aber doch irgendwann zurück auf das Sofa. Er sprang hoch und beguckte sich die Lage. Gina hatte sich breiter gemacht. Er scharrte mit einer Pfote ein paar mal, dann drehte er sich um. Da habe ich ihn gestreichelt, um ihm zu zeigen, dass er willkommen ist. Eine Weile stand er da. Inzwischen hatte Gina ihn bemerkt und die verführerischen langen Haare am Schwanz… sie langte zuerst mit der Pfote danach – und leckte sie dann! Ob es jetzt das Gezuppel am Schwanz war oder die gesamte Situation – Lenny zog schlussendlich doch einen Positionswechsel vor und nahm das andere Sofa.

Ich komme ja nicht umhin, das Wesen von Katze und Hund zu vergleichen. Ein zentraler Unterschied zwischen ihnen ist ihre Jagdtechnik. Katzen jagen allein, Hunde, bzw. ihre wölfischen Vorfahren, jagen im Rudel. Dass erklärt die größere Intelligenz, Lernfähigkeit und Sozialkompetenz von Hunden. In der Jagd im Rudel müssen sich die Teilnehmer aufeinander abstimmen, auf komplexe Situationen sinnvoll reagieren und ihre sehr variable Beute kennen. Das Nahrungsspektrum von Wölfen ist weit größer als das der wilden Hauskatzen-Vorfahren, zumindest, wenn man sich das gesamte Verbreitungsgebiet ansieht. Wölfe jagen alles was sie überwältigen können, von Mäusen bis zu wehrhaften großen Pflanzenfressern, die das zwanzigfache eines Wolfes wiegen. Bei Wild- und Hauskatzen ist bei „kleines Kaninchen“ normalerweise die Obergrenze erreicht, typischer sind Mäuse und kleine Vögel. Dann ist die Katze ein Schleich- und Lauerjäger. Das kann man bei Gina gut beobachten. Sie duckt sich und sprintet dann auf den Ball zu, schlägt die Krallen hinein und überkugelt sich fast, so schnell ist sie auf der kurzen Strecke. Hunde hingegen lieben es, ihrer Beute hinterherzurennen. Je weiter man den Ball wirft, umso besser! Selbst Lenny, dessen Jagdtrieb praktisch nicht existent ist (Rehfährte im Wald? Schnuppern ja, verfolgen nein. Auch sichtbare Rehe oder Kaninchen interessieren ihn nicht), liebt es, einem Ball hinterher zu jagen. Idealerweise hält man sich dazu in der Mitte der zur Verfügung stehenden Fläche auf, täuscht die Wurfrichtung an und wirft unvorhersehbar mal nach rechts, mal nach links. Lenny stürzt sich darauf, apportiert aber nicht richtig, sondern möchte um die Beute kämpfen! Unter wildem Geknurre und Gezerre lässt er sich das Spielzeug dann entreißen um begierig auf den nächsten Wurf zu warten. Gern läuft er mit der Beute auch weg und möchte verfolgt werden… Bei Gina geht dem Angriff meist eine längere Beobachtungsphase voraus, oft greift sie erst an, wenn die zuckende Feder zur Ruhe gekommen ist. Hinterherrennen ist nicht. Werfe ich etwas, schaut sie hinterher und wartet vorsichtshalber erst mal ab.

Dann ist noch was Neues passiert. Ich suche ja nach einem Leckerchen, das Gina so unwiderstehlich findet, dass sie seineswegen abbricht, was sie grad tun möchte, und zu mir kommt. Möglicherweise zeichnet sich da etwas ab. Ich habe eine Packung mit Thunfischstreifen. Beim ersten Versuch hat sie das Zeug nicht interessiert, aber jetzt habe ich es nochmal probiert – und wenn sie nur mit dem kleinen Streifchen rumspielt. Aber es war mehr: Sie hat daran geschnuppert – zum ersten Mal, dass ich das gesehen habe, so richtig mit Nase bewegen und bebenden Nasenflügeln, und dann hat sie sich ums Maul geleckt! Offensichtlich ist die Nase frei! Und der Thunfisch hat da was getriggert! Die Vorstellung, dass man etwas kauen kann, findet sie wohl immer noch gewöhnungsbedürftig, sie hat es also nicht gefressen, aber immerhin ausgiebig damit gespielt. Genialerweise fand das auf dem Badezimmerteppich statt, der ziemlich hochflorig ist und worin sich der kleine Streifen wunderbarer verhaken kann. Was für ein Spaß, die Klauen in den Teppich zu hauen! Ich bin sicher, der Teppich hielt das für einen Kampf auf Leben und Tod. An der Stelle fügte es sich glücklich, dass ich aus einer Haushaltsauflösung noch zwei Badematten habe (zusätzlich zu unseren eigenen Beständen). Die ausgedehnte Anwesenheit der Katze im Badezimmer verlangt einen häufigeren Wechsel der Boden-Textilien.

Ebenfalls im Bad hat Gina sich mit ihrem Wqassernapf angelegt:

Der große Spaß funktioniert so: Napf mit der Pfote schubsen, das macht Krach und spritzt, dann mit gespielter Panik in großem Bogen wegspringen. Die Photos sind unscharf, weil die Kleine so schnell war!

Noch ein neues Spiel lautet: Napf vergraben. Vermute ich zumindest. Neuerdings scharrt sie rund um den Napf, als wolle sie ihn zuschütten. Interessant! Ich wusste nicht, dass Katzen das machen (Hunde und Wölfe, da kennt man das). Auf den Fliesen ist das witzig:

Man beachte die vier Wassertreifen rechts von ihrer Pfote

Auf ihrer Kratztonne, wo sie oben auf dem Aussichtspolster ihr Futter bekommt, führt das zu losen Flocken. Ich vermute, die Tage des Polsters sind gezählt. Mittelfristig wird sie da wohl ein neues Kissen brauchen. Und einen anderen Fressplatz (aber das muss der Familienrat noch ausdiskutieren).

Nach der Wasserschlacht musste Gina dann dringend ihre Pfoten wieder in einen katzenakzeptablen Zustand versetzen:

Gestern Abend ist ein neuer Mensch aufgetaucht, der bei uns übernachtet hat. Gina war zunächst nicht geneigt, sich ihm zu näherhn oder ihn an sich heran zu lassen. Ein bisschen gespielt hat sie dann doch mit ihm (zappelndes Band, es IST schwer, dem zu widerstehen). Interessanter fand sie ihn aber heute Morgen, als er im Katzenkino aufgetreten ist. Da war ich mit meinem Spielzeug plötzlich abgemeldet, als er draußen auf der Terrasse seine Morgengymnastik machte. Schwupps, rauf auf die Aussichtplattform (Sofalehne) und dann sich von der Show fesseln lassen!

Das war es für heute. Gina liegt grade allein auf dem größten Sofa – nachdem es ihr nicht gelungen ist, die Decke auf unser aller Lieblingssofa so hin zu scharren, wie sie das gern gehabt hätte – und Lenny liegt zu meinen Füßen. Alles wirkt entspannt und friedlich, aber ich weiß, dass es nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm im Wasserglas ist.

Gina – Tag 15

Mache ich eigentlich noch was anderes, als mich um die Katze kümmern?

Nö.

Oder: Ein kleines bisschen, es folgt ein eigener Beitrag dazu.

Zwei Wochen hat sie jetzt rum, fast auf die Stunde genau. Noch zwei Zahlen dazu: 650g und 1184g. So hat sich ihr Gewicht verändert. Nach wie vor bevorzugt sie flüssige Nahrung, aber vereinzelte Bröckchen rutschen auch. Die Zähne dazu hat sie auf jeden Fall:

Da ist ein makelloser Reißzahn zu sehen!

Gina ist außerdem viel lebhafter geworden, nicht nur im Vergleich zum elenden ersten Tag, auch zu, sagen wir mal, vor zehn Tagen. Sie rennt (zu Lenny Entsetzen, er kommt gar nicht so schnell hinterher, manchmal kann er sogar nicht mal so schnell gucken!), turnt außen an ihrer Kratztonne hoch, wenn sie zu ihrem Futternapf will, der oben drauf steht, statt den bequemeren Weg über das Sofa zu nehmen, sie putzt sich zunehmend ausgiebig und hat auch schon angefangen mich abzulecken. Ihre Lernkurve puncto Tablettenverweigerung ist steil (aber ich bin raffinierter und habe das ganze Internet zur Hilfe, sie muss sie also doch schlucken), unter den Schränken und in den Ecken liegt kein Staub mehr, den fegt sie auf ihren Streifzügen einfach weg, und sie erkämpft sich den Zugang zu anderen Räumen des Hauses, die schließlich auch inspiziert werden wollen. Treppe runter geht schon gut, Treppe rauf ist anstrengender.

Jeden Tag machen wir einen kleinen Spaziergang mit Leine. Das Ziel ist, dass sie in unbekanntem Terrain auch ohne Transportbox unter Kontrolle ist. Bei einer Katze, die nicht zum Tierarzt will, besteht eine weit geringere Chance, dass sie – einmal entwischt – auf Zuruf zurückkommt, als bei einem Hund. Auch da ist es nicht ganz einfach, wie man regelmäßig beobachten kann, aber in einigen dutzend Metern Entfernung von der Tür klappt es dann ja doch… Die Leine findet sie nicht so toll, andererseits gehen wir dann immer in den Garten, und DAS findet sie toll.

Mein Mann hat Gina ins hohe Gras gesetzt, Lenny gleich hinterher, obwohl er dieses unwegsame Gelände sonst meidet

Gina bevorzugt den Uhrzeigersinn. Also erstmal unter den beiden Apfelbäumen und dem Gebüsch lang, am liebsten rein ins Gebüsch!!! Das ist mir derzeit nicht so lieb, weil dahinter ein löchriger Zaun liegt (deswegen auch die Leine) und sich zu verstecken zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehört. Auf ihren Namen hören gehört nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Mein Mann hat sie, um die Gebüsch-Diskussion zu beenden, dann ins hohe Gras gesetzt.

Aber auch hohes Gras ist spannend!

Von da aus ging es zur Efeuwand. Geheimnissvolle Blätter, und dann Sichtschutz im Rücken kann man selbst wunderbar beobachten…

Von da aus ging es weiter unterm Fliederbusch durch in einen anderen Flecken hohes Gras. Am „Ende“ des Grases wurden dann die Beutegreifer-Instinkte sichtbar: Sie verharrte dort eine Weile und sichtete die Umgebung:

Lenny war nie weit weg:

So richtig spannend wurde es dann am Gemüsebeet, wo sich ein Kohlweißling an einem blühenden Kraut labte. Ich vermute, das Leben könnte für Schmetterlinge spätestens im nächsten Sommer gefährlicher werden!

Auch Vögel weckten Ginas Interesse – sie verbringt ja auch drinnen schon viel Zeit im Katzenkino (Terrassentür mit Blick auf Vogelfütterung).

Besonders gern sitzt sie an schlecht einsehbaren Stellen, wo sie selbst gut sehen kann.

Uns beide interessierte eine gelbe Blüte, die sich plötzlich zum Boden neigte. „Schuld“ war eine dicke Hummel, fast zu schwer dafür, dick eingepudert mit Blütenstaub:

Leider hatte ich nicht das Makro sondern das Vielzweck-Zoom aufgelegt. Dafür ist das Photo gar nicht schlecht…

Freiwillig hat Gina den Garten nicht verlassen. Ich hab sie also rein getragen (an der Leine reinzuführen ist aussichtlos. Oder übersteigt meine Geduld um mehrere Größenordnungen). Einmal drinnen war dann natürlich sofort wieder futtern und schlafen angesagt…

Gina – Tag 13

Gina ist jetzt bald 10 Wochen alt. Dank ihres erwachten Appetites und dem Power-Milch-Shake hat sie gestern Abend die 1000-g-Marke geknackt! Ihr Gewicht schwankt natürlich stark, je nach Füllungszustand des Verdauungstraktes. Bisweilen trägt sie einen niedliche Kugelbauch durch die Gegend, der dann nach ein paar Stunden wieder in der Toilette landet. Es ist also nicht der aufgeblähte Bauch, den manche Endo-Parasiten verursachen. Außerdem hat sie heute Morgen mal richtig gekaut! Wenn ich ihr bisher festes oder auch nur festeres Futter gegeben habe, dann hat sie daran geleckt, es aber letztlich liegen gelassen. Heute gab es Bröckchen eines Edelfutters, das richtige Fleischstücke enthält, und nicht diese künstlich geformten Stücke, die vermutlich ähnlich hergestellt werden wie Wurst (fein zerkleinertes Fleisch, geformt und dann gegart). Davon hat sie etwa einen schwach gehäuften Esslöffel gefressen, ein Restchen liegen gelassen. Da hab ich mich erbarmt und ihren Smoothie aufgefüllt, worauf sie nochmal tüchtig reingehauen hat! Seit ich geeignete Gefäße zum Pürieren gefunden habe, ist ihre Futterzubereitung ein Klacks, aber ich vermute, dass es für ihre Zähne besser wäre, wenn sie feste Nahrung kaut. Überall kann man lesen, wie mäkelig Katzen beim Futter sein können. Es wäre schön, wenn Gina sich nicht in diese Richtung entwickelt…

Schon am zweiten Tag, als Gina ihre ganz matte Phase überwunden hatte, fing sie an zu springen. Vorzugsweise von der Käfigtür auf mein Knie, und überwand so mit Leichtigkeit ihre eigene Kopf-Rumpf-Länge. Eine größere Herausforderung ist Höhe. Da ist ihre Sprundkraft noch nicht so weit. Aber: Katzen haben da ja ein wundervolles Hilfsmittel – ihre Krallen! Die 40-60cm Sitzflächen- und Rückenlehnen-Distanz schafft sich locker unter Zuhilfenahme ihrer Krallen! AM LEDERSOFA!!! Da ich keine Ahnung habe, wie man ihr klar machen kann, dass sie drauf springen, aber nicht drauf klettern darf, habe ich nach einer anderen Lösung gesucht. Unser aller Lieblingssofa hat jetzt einen Überwurf aus einem alten Vorhang aus Chenille-Garn, das wunderbar Halt für die kleinen Krallen bietet. Wenn der hin ist, habe ich noch zwei davon. Wenn die hin sind, kann sie hoffentlich gut genug springen, dass sie sie nicht mehr braucht.

Zu Ginas Lieblingsbeschäftigungen gehört ganz eindeutig das Katzenkino. Das ist eine große Terassentür, vor der mein Mann seit Jahren die Vögel im Garten füttert. Es gibt drei Futterstellen: Auf dem Boden, ein Futterhäuschen ca. 1m hoch und, in drei Meter Entfernung, einen Rosenbogen mit Meisenknödel-Halter. Da ist immer schwer was los, und Gina kann sich daran kaum satt sehen. Sie sitzt dann auf dem Boden oder der Rückenlehne unseres Lieblingssofas und schaut gebannt hinaus. Wenn sie ganz großes Glück hat, kommt sogar eine ausgesprochen wohlgenährte Maus vorbei! Die Vögel sind teilweise ein bisschen reserviert, sie können je nach Lichteinfall die Katze durch die Scheibe wohl erkennen. Neben dem großen Katzenkino mag sie übrigens auch Katzenfernsehen (Bildschirm von Tablet oder Laptop), und zwar sowohl die Mäuse-Fang-App, als auch alles andere, was sich bewegt, oder auch einfach so, wenn sie auf dem Tablett herumlaufen kann – der Touchscreen reagiert nämlich auf Katzenpfoten. Berührt sie ein Icon, passiert was! Der Nachteil ist, dass ich die Bildschirme regelmäßig reinigen muss, denn Gina hat immer noch Schnupfen und niest alle Nase lang…

Die Annäherung zwischen Lenny und Gina verläuft sehr schleppend und ist derzeit wohl eher von Misstrauen geprägt. Gina geht ihm aus dem Weg, seitdem er beim fressen nach ihr geschnappt hat, und auch sonst blafft er sie gern mal an, wenn sie an ihm vorbei geht. Andererseit verzieht er sich vom Sofa, wenn sie auch hinauf kommt. Seltsam. Heute Vormittag gab es aber eine distanziert-entspannte Szene: Gina auf dem einen Sofa mit mir, Lenny auf dem anderen mit meinem Mann, beide lang ausgestreckt, mit gutem Zugang zu Bauch und Brust und hingebungsvoll streicheln lassen! Bis ich dann die Kamera von oben geholt hatte, war Gina dazu übergegangen sich zu putzen (sie tut das noch selten, ich möchte sie nicht unterbrechen, wenn sie es dann mal macht). Lenny allerdings hat kein Limit bei Streicheleinheiten:

Während sie sonst gern mal Richtung Kamera läuft und dabei die Naheinstellgrenze deutlich unterschreitet, hat sie hier gut stillgehalten:

Im Schatten des Sofas musste ich die Blende so weit wie möglich aufreißen, weshalb ich nur eine sehr geringen Schärfentiefe habe – die Pfote ist scharf, die Zunge, nur einen Zentimeter weiter hinten, nicht mehr…

Gina – Tag 11

Das Thema des Tages lautet wohl „Lenny“. Nach der Morgenfütterung auf ihrer Kratztonne erfolgte der Abstieg wie gewohnt zunächst auf die Rücklehne des Sofas, von da aber nicht weiter auf meinen Körper, der so einladend darunter lag, sondern auf den von Lenny, der auf seinem Stammplatz zu meinen Füßen ruhte. Der Hund hat sich nicht gerade erschreckt, war aber irritiert. Gina ließ sich schnurrend an seiner Seite nieder!

Das war ihm offensichtlich unheimlich…

Und nach wenigen Augenblicken sprang er über die Armlehne herunter. Aber: Es wird! Kuscheln ist vielleicht auch eine einfachere Annäherung als Spielen. Nach wie vor folgt Lenny der Katze, manchmal spazieren sie gemächlich hintereinander her, machmal geht die wilde Jagd durch Wohnzimmer UND Küche, gern mit Endpunkt Schreibtisch, wo der Hund nicht drunter kann. Ebenfalls heute Morgen wollte Gina mit Lennys Füßen spielen (versucht sie mit meinen auch).

Den eigentlichen Augenblick hab ich natürlich mal wieder nicht erwischt…

Schnuppern..

Gina hat noch tüchtig Rotznase. Das Gesicht reinigen mag sie nicht, sanft über die Augen streichen geht noch, aber die verklebte Nase sauber machen… dabei hat sie es wirklich nötig! Derzeit höre ich auch immer wo sie ist, weil sie so geräuschvoll atmet. Zumindest wenn sie wach ist.

Das Tablettenproblem hat sich schnell als Drama herausgestellt. Was natürlich niemanden überrascht. Überraschend ist aber die Lösung: Gina frisst die mit weichem Futter verpackte Tabletten mit dem Nassfutter einfach mit. Ich sorg dafür, dass nicht viel im Napf ist, dann kann ich kontrollieren, ob sie die Tablette auch wirklich mitgefressen hat (die hat auch schonmal neben dem Napf gelegen), wenn sie ihn geleert hat. An der Stelle möchte ich erwähnen, dass Gina sehr manierlich frisst. Ich hab auch schon von Katzen mit großem Streuradius gehört.

Anderer Gedanke.

Wir haben ja inzwischen zwei Katzenklos. Oder drei, wenn man den Garten mitzählt. Was hier zu beobachten ist: Gina buddelt leidenschaftlich gern! Ihre Zielstrebigkeit beim Toilettengang habe ich schon beschrieben. Da ist nichts Zaghaftes in ihr, da war von Anfang an keine Schwäche bei dem halb verhungerten Tier – wenn ein Loch gegraben werden will, dann hat es ihre volle Energie verdient! Eine Katze hört man im Regelfall ja nicht gehen. Laufen schon, aber gehen nicht. Leise und sanft berühren die Pfoten den Boden, Merkmal eines Schleichjägers! Das ist sofort vorbei, wenn’s auf’s Klo geht. Da raschelt es dann gewaltig – jeder im Raum weiß, was jetzt kommt! Glücklicherweise gehört „Streu rausschmeißen“ bislang nicht zu ihrem Verhaltensrepertoir, und ich hoffe es bleibt so. Wenn ich aber das Katzenklo säubere, dann ist sie mit großem Interesse dabei. Insbesondere, wenn ich hinterher die Streu wieder glattharke, damit sie überall eine gleichmaäßig dicke Schicht vorfindet, ist sie geneigt, sich pfötelnd einzumischen. Ich versuche das nicht zu ermutigen. Wenn Buddeln für Gina zum Spiel wird, dann wird fünf mal täglich fegen für mich zum Alltag, und Katzenklo sauber machen zum Kampf!

Wahrnehmung ist etwas zutiefst Subjektives. Schon Individuen einer Art könne zu einundderselben Sache ganz unterschiedlicher Meinung sein. Das erklärt die seltsame Tatsache, dass es schwarze Schokolade und Kaffee gibt – irgendjemand muss das ja wohl toll finden, was sich mir persönlich so gar nicht erschließt. Wenn man die Artgrenze überschreitet, werden die Abweichungen der Vorlieben und Abneigungen größer. Während kuscheln eine Konstante unter sozialen Säugetieren zu sein scheint, gehen an anderer Stelle die Meinungen stark auseinander. Barfuß in Kacke treten? Kennst du das Gefühl, lieber Leser? Noch warm oder schon kühl, matschig-klebrig, der Geruch, der dann aufsteigt, so dass man weiß, was passiert ist, noch ehe man den Blick zu Boden wendet… Nun, Gina juckt das nicht. Aber WASSER an den Pfoten, egal ob es mit Waschlappen, fließend oder am feuchten Gras kommt – igitt!!!

Wie schon erwähnt, kuscheln sehr viele Tiere sehr gern. Katzen werden unter anderem oder hauptsächlich aus diesem Grund gehalten. Und es ist anrührend, wenn so ein kleines Wesen sich an einen schmiegt, gern am Hals, wo es schön warm ist und die Haut sensibel. Oder ans Gesicht… apropos Gesicht… wofür Gina ebenfalls das Verständnis fehlt, ist, dass ich weder ihre Rotznase, noch ihren Popo gern im Gesicht habe. So voller Liebe und ohne Arglist…

Gina – Tag 9

So langsam stellt sich Routine ein. Lenny und Mann sind im Wald, Gina frühstückt unten, nachdem sie nachts im Bad den Napf völlig geleert hat. Dann wird gespielt und erkundet, gefolgt vom Vormittagsschlaf. Wir waren dann nochmal beim Tierarzt. Hier gibt es Fortschritte zu melden: Ab morgen bekommt Gina zweimal täglich eine Tablette und nicht mehr alle zwei Tage ein Spritze. Leider werde ich ihr das nicht palusibel machen könne („Wenn du diese Tablette nimmst, dann musst du nicht zum Tierarzt und bekommst diese fiese Spritze nicht!“), mal sehen, wie sie die Tablette aufnimmt. Wer keine Ahnung von dem Vorgang hat und Englisch spricht, kann mal die Suchmaschine seiner Wahl mit diesem Satz füttern: „How to give a cat a pill“, gern in Kombnination mit dem Wort „funny“. Ein erfahrener Katzenbesitzer hat mir mal gesagt, dass diese Beschreibung den Vorgang sträflich verharmlost. Sei’s drum. Ich hoffe derzeit darauf, dass ich ein Leckerchen finde, in dem ich die Pille verstecken kann, und Gina das Ding freiwillig nimmt. Man darf ja hoffen.

Gina und Lenny kommen sich inzwischen weiter näher. Leider ist es erstaunlich schwierig, das photographisch festzuhalten. Tiere zu photographieren ist ja grundsätzlich nicht einfach. Haustiere, so denkt man, sind da einfacher. Aber nur, wenn einem egal ist, was das Tier grade macht. Für ein gutes Photo muss ja viel zusammen kommmen. Ein interessantes Motiv, der passende Hintergrund, geeignetes Licht… Nun Lenny und Gina nähern sich am liebsten an, wenn entweder der „Hintergrund“ nicht gut ist (z.B. unterm Tisch, ein Wirrwar aus Stuhlbeinen, Streben und Balken), oder wenn oder wo die Beleuchtung erbärmlich ist (dunkle Ecke, Dämmerung oder nur die Deckenlampe ist an, und bis ich angemessene Beleuchtung organisiert habe, sind sie natürlich schon wieder woanders…). Und so sieht das dann aus:

Mit dem lichstärsten Objektiv in einem ruhigen Moment bekommt man dann ein einigermaßen scharfes Bild

Also: Photobeweise werden auch in Zukunft rar sein, aber ich erzähle mal, wie sich die Beziehung der beiden so entwickelt. Sobald sich die Katze bewegt, ist der Hund hellwach. Er verfolgt jede Bewegung, mal mit den Augen, mal läuft er hin. Wenn die Katze rennt, rennt er hinterher. Dabei scheint Gina keine Angst vor ihm zu haben, und Lenny zeigt keine seiner typischen Aggressionsmerkmale (wir kennen das ja, wenn er Katzen aus SEINEM Garten verjagt). Gina geht auch manchmal direkt auf Lenny zu. Das ist ihm noch nicht ganz geheuer. Anfangs hat er sie dann angeblafft, inzwischen weicht er ihr eher aus. Wenn die Katze dann die Richtung wechselt, geht er hinterher. Besonders in der Küche (weil dort sein Fressnapf steht?) umkreist er sie, er macht den Eindruck eines Hütehundes, der seinen Schützling in eine andere Richtung treiben will. Des Weiteren hat Gina gelegentlich Lust zu rennen. Lenny hinterher, versteht sich. Aber mehr aufgeregt als aggressiv. Die beste Szene war so: Gina rennt in die Küche, Lenny hinterher, Gina macht Halt unter einem Stuhl, über dem eine Jacke bis fast zum Boden hängt, sie ist also kurz nicht sichtbar. Während der Hund andersrum den Stuhl umrundet, rennt Gina zurück ins Wohnzimmer, mit ihren weichen Pfoten hört der Lenny sie nicht, und er ist dann ganz fassungslos, weil sie nicht unter dem Stuhl sitzt, wo sie doch eben drunter verschwunden ist! Dann läuft er aufgeregt in der Küche herum, Nase immer wieder am Boden und sucht!

Beiden ist es ein Bedürfnis sich gegenseitig zu beschnuppern und zu erkunden. Am Abend gipfelte das dann darin, dass Gina auf dem Rücken lag, Lenny ihren Bauch beschnuppert und das Kätzchen ganz vorsichtig, wie sie das auch bei mir macht, mit der Pfote das Gesicht des Hundes berührt.

Ich hab die Kamera immer griffbereit liegen, aber die Sekunden, die es dauert, sie zu nehmen und einzuschalten, sind bei der quirligen Interaktion der beiden eben meistens schon zu lang. Geduld. Es wird werden, wenn ich Geduld habe und lang genug auf der Lauer liege. Wie immer, wenn man Tiere photographiert!.

Weil sich hier alles langsam einspielt, gibt es vermutlich nicht mehr jeden Tag genug für einen neuen Beitrag zu berichten. Außerdem wird es Zeit, dass ich mich mal wieder um den ganzen großen Rest meines Alltags kümmere…

Gina – Tag 8

Gestern Abend habe ich die Katze dann noch eine ganze Weile frei im Wohn- und Esszimmer laufen lassen. Einer ihrer Lieblingsplätze ist unter dem Esstisch. Der Tisch hat einen dicken Balken eine knappe Handspanne über dem Boden, die Stühle haben Streben, über die man wunderbar drüberhüpfen kann, wenn man eine kleine Katze ist. Da sitzt sie auch gern und beobachtet. Später hat sie noch den Sessel erklommen und dort eine Weile geschlafen, und dann noch das andere Sofa, wo der Hund auch gerne liegt. Da lag sie dann lang ausgestreckt, tiefenentspannt und hat geschlafen, bis wir ins Bett gegangen sind.

Heute früh war mein Mann natürlich wieder zuerst wach. Und natürlich wieder mit Katze im Garten (der Hund lag derweil bei mir im Bett, ihm behagt das frühe Aufstehen nicht). Wenn ich dann aufstehe, kommt Lenny ebenfalls runter. Die beiden Jungs gehen dann in den Wald, Gina und ich haben die untere Etage für uns. Gina hat das mit einer erstmals von mir beobachteten Putzorgie gefeiert (im Sessel). Weil sie über Nacht ihren Napf ratzekahl gefressen hat, hab ich frischen Katzensmoothie gemacht. Den Napf habe ich in der Küche mitten auf den Boden gestellt und sie gerufen. Mehrfach. Vielfach. Sie hat mich von ihrem Sessel aus zwar angeschaut, aber weiter nicht reagiert. Nagut. Eine Viertelstunde später nochmal. Nach etwa einem Dutzend „Gina“s kam sie dann und machte sich einfrig über das Futter her! Es wird. Ganz bestimmt.

Was sich auch abzeichnet, ist, dass ihre Tage im Bad gezählt sind. Nach dem ausgiebigen Frühstück habe ich Gina ins Bad zum Katzenklo gebracht. Fand sie nicht gut, sie wollte sofort zur Tür wieder raus. Aber ich war schneller. Als ich kurz darauf den Futternapf hineingebracht habe, hat sie vorschriftsmäßig die Toilette benutzt und dann – schwupps – wieder zur Tür raus! Und weiter im Galopp ins Schlafzimmer, wo sie plötzlich stehen blieb, erschrocken vor der eigenen Courage… Heute kaufe ich ein Katzenmöbel, eine Tonne mit zwei Höhlen und einem Liegeplatz oben drauf. Ich stelle mir vor, dass sie die mag, sowohl die Höhlen, als auch die Übersicht von oben. Da hätte sie dann einen Rückzugsort vor dem Hund, der Hund muss keinen Konflikt aushalten wegen der Katze auf SEINEM Lieblingsplatz, und das Katzenklo braucht einen neuen Stellplatz (oder wir brauchen ein zweites?), denn die Treppe und das Treppenhaus sind erstmal noch tabu.

Ein paar Stunden später zeigt sich, dass das Katzenmöbel und das Kätzchen wohl Zeit brauchen, sich aneinandern zu gewöhnen. Der Ausblick von oben interessiert Gina nur kurz, die Höhle gar nicht. Besser geht es mit den zweiten Katzenklo. Dafür habe ich auch noch andere, kompostierbare Streu. Das neue Klo mit der neuen Einstreu kommt an den gewohnten Platz, während mein Mann für das vertraute einen schön versteckten, ruhigen Platz hinter dem Sofa sucht. Man hört ja bisweilen dramatische Geschichten zu dem Thema („Was hast du da in mein Klo getan, Mensch?!? Sowas benutz ich nicht!!!“ und zack, findet man eine Pfütze Katzenurin auf dem Persianerteppich). Gina macht sowas zum Glück bis jetzt nicht. Neue Streu, neues Häuschen, egal – Hauptsache sie kann buddeln! Dafür hat sie das alte Klo bislang noch nicht benutzt oder nicht gebraucht.

Ein Termin in der Stadt führte mich auf dem Heimweg zu einem weiteren Zoofachhandel. Da habe ich, in Anlehnung an Ginas Spaß mit dem Papier-Mäuschen, Spielzeug gekauft. Es handelt sich um leichte Bälle mit Plüschbezug und einem Glöckchen drin. Das ist genau ihre Kragenweite! Damit kann sie sich stundenlang (bei genauer Betrachtung ist es natürlich eher minutenlang) selbst beschäftigen. Lenny schaut sich das hochkonzentriert an. Nicht der Ball ist dabei interessant (wir haben vier, ich hab ihm auch einen gegeben, weggekullert, einmal hinterher, dann langweilig), sondern die Katze.

Noch interessanter wird die Katze, wenn sie sich fortbewegt. Dann ist er sofort da, läuft mit, umkreist sie. Er wirkt ein bisschen wie ein Hütehund, der versucht, ihre Richtung zu kontrollieren. So richtig lustig wird es aber, wenn sie schnell hierhin läuft – Lenny hinterher – und dann schnell dahin – und Lenny hat das nicht mitgekriegt. Da ist die Katze plötzlich weg! Und er sucht ganz aufgeregt und versteht wahrscheinlich die Welt nicht mehr. In seiner Welt verschwinden Lebewesen nicht einfach!

Abends bin ich mit Gina an der Leine zu Spiky gegangen. Katze an der Leine unterscheidet sich durchaus grundlegend von Hund an der Leine. Sie geht viel langsamer, vorsichtiger, ist aber nur schwer von einer Richtung zu überzeugen („Gina! Komm hier lang! Na komm! Gina, Giiinaaa!“ – bei einem Hund hätte das funktioniert…). Auch sanftes Ziehen funktioniert nur sehr eingeschränkt. Immerhin hat sie eine neue Pinkelstelle gefunden („Oh, hier kann man wunderbar buddeln!!!“). Spart Katzenstreu.

Die letzte Stunde des Tages scheint sich so einzuspielen, dass Mann und Hund ins Bett gehen, die Katze nochmal eine Runde im Wohnzimmer dreht, um dann auf dem Sofa zu schlafen. Wie ich schon vermutet hatte, war das mit dem Käfig zur Nacht ein Auslaufmodell. Obwohl sie schon in ihrer Höhle lag, satt und müde war, maunzte sie herzerweichend, als ich den Käfig zu machte. Draußen war sofort wieder alles gut. Also hab ich sie gelassen. Allerdings habe ich die Badezimmertür abgeschlossen, damit mein Mann und ich vernünftig wach werden, sollte es uns nächtens zum Klo ziehen…